Tätigkeitsbericht für das Vereinsjahr 2010
Vogel- u. Naturschutzverein Glattbach e.V.
Vereinstätigkeiten
Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen unseres 50jährigen Bestehens.
09.01.2010
Gründungstreffen
Im kleinen Kreis gedachten wir in der Glattbacher Mühle der Vereinsgründung am 02.01.1960.
20.02.2010–28.02.2010
50-Jahr-Feier und Fotoausstellung
Die 50-Jahr-Feier in der Glattbacher Mühle und die Fotoausstellung im Gewölbekeller unseres Rathauses waren die Hauptereignisse dieses Jahres. Wir feierten mit den Vertretern des Landkreises, der politischen und kirchlichen Gemeinde, den Vereinsvertretern, befreundeten Vogelschutzgruppen und vielen Mitgliedern und Freunden des Vereins. Anhand etlicher Fotografien wurden vergangene Zeiten wieder lebendig. Zwei Fotobücher, zusammengestellt von Erich Sauer, dokumentieren wunderbar 50 Jahre Vereinsleben. Neben den noch lebenden Vereinsgründern Kurt Karl, Hans Messenzehl, Heinz Schmitt und Roland Sauer wurden noch Inge und Adolf Bormann für besondere Verdienste geehrt. Danke an alle Helfer. Die Vorbereitungen machten viel Arbeit. Auch bei Herrn Johannes Balthesen bedanke ich mich nochmals, für seine wunderbare Laudatio.
02.04.2010
Karfreitagspaziergang
22 Personen wanderten 1 ½ Stunden durch die erwachende Natur. Mit dem Wetter waren wir auch zufrieden. Es war zwar kühl, jedoch trocken und sonnig. In unserer Vereinshütte im Borngrund, am Waldrand, liessen wir diesen Vormittag ausklingen.
10.04.2010
Jahreshauptversammlung
Durch die ganzen Feierlichkeiten wurde unsere Jahreshauptversammlung in den April verschoben. Neben den üblichen Berichten schilderte Bernd Aulbach eindrucksvoll das Leben und die Problematik des faszinierenden, doch oft ungeliebten Kormoran als „Vogel des Jahres 2010“.
30.04.2010
Maibaumaufstellung
Es heisst es ist eine ehrenvolle Aufgabe, wenn man wegen einem Jubiläum den Maibaum aufstellen darf. Doch es war eine grosse Aufgabe, bis man die Leute zusammengetrommelt hatte. Bei der Maibaumaufstellung letztes Jahr mussten unsere Mitglieder fest mit anpacken. Ob beim Kranz binden, den Baum aus dem Wald holen, oder beim Aufstellen, es ging nur mit vereinten Kräften. Tatkräftig wurden wir auch von den Gemeindearbeitern und der Feuerwehr unterstützt. Hinterher ging es noch ins Sängerheim zum fröhlichen Abschluss.
02.05.2010
Vogelstimmenwanderung
Die Vogelstimmenwanderung am Morgen (im Programm Bayern Tour Natur) führte uns vom Johann-Desch-Platz über die Birke (Berge) und später durch den Wald zur Vogelschutzhütte. Als Besonderheiten sahen, bzw. hörten wir die Klappergrasmücke, den Kuckuck, den Gartenrotschwanz, die Heckenbraunelle und den Trauerschnäpper. An der Hütte überraschte uns eine Singdrossel mit einem Nest auf einem schmalen Fledermausbrett. Die abendliche Vogelstimmenwanderung mit Thomas Staab, dem Leiter der LBV Geschäftsstelle in Kleinostheim, mussten wir wegen schlechtem Wetter leider absagen. Vielleicht können wir ihn dieses Jahr nochmals dafür gewinnen.
30.05.2010
Naturkundliche Führung
Mit Frau Maria Quittek, vom Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz in Aschaffenburg., ging es an diesem Tag durch den Wankelgrund. Als Pflanzenkundige erklärte sie uns, dass dieses Feuchtgebiet für etliche Pflanzen und Tiere sehr wertvoll sei. Überraschenderweise wurde das orangerote Habichtskraut als Seltenheit entdeckt.
Leider mussten wir nach der Hälfte der Strecke wegen starkem Regen vorzeitig abbrechen. Doch das, was wir gehört und gesehen hatten war so interessant, dass es die Wetterkapriolen schnell vergessen liess.
11.06.2010
Vogelstimmenseminar
Bernd Aulbach begeisterte in der Vogelschutzhütte alle Anwesenden mit seinen Tipps zum Vögel beobachten. Wie kann man Vögel aus der Ferne unterscheiden? Warum einfache Skizzen bei unbekannten Gefiederten und deren späteren Bestimmung so wichtig sein können und vieles mehr. Mit einer Präsentation und Anschauungsmaterial in Form von Büchern und Ferngläsern umrahmte er seinen Vortrag um die Vogelwelt, die sich in unserer Gegend niederlässt. Auch der Vogel des Jahres „der Kormoran“ war Teil des Abends.
24.07.2010
1. Glattbacher Boule Vereinsmeisterschaft
Neben den recht erfolgreichen Schützen aus unseren Reihen, können wir ebenso auf unsere Boule-Mannschaft stolz sein. Überraschenderweise belegten sie den ersten Platz bei dem neu ausgelegten Turnier auf dem Sportgelände im Weihersgrund. Zu unserer Mannschaft gehörten Konrad Müller, Susanne Bormann und Michael Taupp.
07.08.2010
Fischessen
"Uf so en richtig gude Fisch" freuen sich jedes Jahr die Besucher unseres Festes. Unser Fischteam Franz Fäth, Alois Beissler und Egon Reffel geben sich die grösste Mühe, dass alles passt. Die Organisatorin unserer Kartoffelsalate, Renate Geibig, stellte wieder eine bunte Auswahl zusammen. Hier ein grosses Dankeschön an alle Spender, die Salate schmeckten sehr, sehr lecker. Der Petrus hat auch seinen Fisch bekommen. Habt ihr es gemerkt?
04.09.2010
Aktiventreffen
Alle, die im Verein mithalfen, wurden zu diesem Abend eingeladen. Ein Dankeschön für die geleistete Arbeit, das Jahr über.
11.-12.09.2010
Dorffest
2010 wurde zum zweiten Mal unser Glattbacher Dorffest gefeiert. Die Familien Henn/Sauer nahmen uns wieder in ihrem Hof auf. Auch den Kartoffelpuffern (manche soche ach Krumbern-Pannekuche) blieben wir treu. Unsere Kundschaft hatte wieder die Wahl zwischen Variante mit Apfelbrei oder Variante mit Lachs.
30.10.2010
Nistkästenreinigung
Die Belegung unserer 186 Nistkästen:
57% Meisen
12% Kleiber
4,8% Trauerschnäpper
2,7% Feldsperlinge
1% Baumläufer
In den restlichen Nistkästen fanden sich Spuren von Wespen und Mäusen. Einer Fledermaus gefiel es auch in einem Nistkasten.
18.12.2010
Weihnachtsfeier
Der gemeinsame Abschluss des Vereinsjahres bildete unsere Weihnachtsfeier in der Glattbacher Mühle. Besinnlichkeit neben fröhlichem Miteinander, eine Fotoshow, Versteigerungen, eine Tombola und natürlich etwas Leckeres zu Essen von Eric und seinem Team wurde jedem der Anwesenden an diesem Abend geboten.
Biotopschutz
Der Wankelgrund, ein wertvolles Feuchtgebiet für viele Vögel und Pflanzen, liegt auf Aschaffenburger Gebiet. In Abstimmung mit dem Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz Aschaffenburg werden die nötigen Arbeitsaufträge abgestimmt. So wurden an der unteren Schutzgebietsgrenze verschiedene Bäume und Sträucher zurückgeschnitten damit die Landwirte mit ihren Geräten wieder besser vorbeifahren können.
An einem Steilhang stellten wir einige Gehölzgruppen frei. Das anfallende Schnittgut wurde im Randbereich als kleines Biotop für Zaunkönige und dickere Äste zu einem Totholzhaufen aufgesetzt.
Im mittleren Schutzgebiet musste eine zusammengebrochene Weide entfernt werden. Das anfallende Holz blieb ebenfalls als Totholzhaufen zurück.
Im Sommer setzte Thomas Bormann einen Mäheinsatz an, im Bereich grosse Obstwiese und auf dem Streifen von Jürgen Sauer. Dank der grossen Anzahl von Mitgliedern war das Zusammenrechen dann ein Kinderspiel. Die Wiesenmad, zur richtigen Zeit, ist wichtig für z.B. den Gartenrotschwanz und den Neuntöter, die im Bereich der Obststreuwiesen gerne jagen. Natürlich erleichtert es auch die Obsternte im Herbst.
Im Oktober ernteten wir unsere Äpfel vom Wankelgrund. Da das Gebiet nicht direkt angefahren werden kann transportierten wir unsere Körbe mit Schubkarren zum Hänger von Herrn Kiesel. 834 kg Äpfel in zwei Big-Packs konnten wir für den Schlaraffenburger Apfelsaft beisteuern. Wir sind sehr dankbar, dass uns Herr Albert Kiesel bei unserer Arbeit unterstützt hat.
Bei einer Pflegemassnahme auf der Riesenbärenklaufläche im Strietwald mähten wir Brombeeren ab und schichteten das lose dicke Astholz eines zusammengebrochenen Obstbaumes im Randbereich auf. Einzelne Riesenbärenklaupflanzen wurden noch ausgegraben und ordnungsgemäss abgeliefert.
Artenschutz
Eulen
Der Waldkauz, die häufigste Eulenart Mitteleuropas, lässt uns im Dunkeln öfters wegen seines heulenden Gesanges erschaudern. Der Aberglaube machte sie zu Totenvögeln und Unheilbringern. Das „huuuh“ des Männchens ist im zeitigen Frühjahr und im Herbst zu hören. Das Weibchen ruft kurz und scharf „kuitt“. Der Waldkauz brütet in grossen Baumhöhlen. Bei uns auch in speziellen Eulenkästen. Die Jungvögel sitzen im Alter von 4 Wochen frei in Bäumen. Sie werden deshalb Ästlinge genannt.
Die Waldkauzkontrolle im Frühjahr 2010 ergab am Teich: 1 Altvogel, 1Jungvogel, 2 Eier und 2 Mäuse; Am Kasten Kapellenstrasse wurde Gewölle gefunden. Das zeigt, dass der Platz angeflogen wurde.
Die Bestände der Schleiereulen können innerhalb weniger Jahre sehr stark schwanken. Sie sind abhängig vom Angebot an Mäusen und von der Härte des Winters. Gibt es viele Mäuse brüten sie bis zu dreimal im Jahr. In schlechteren Mäusejahren sind die Gelege kleiner oder die Brut fällt ganz aus. Liegt im Winter eine geschlossene Schneedecke, bleiben Mäuse für die Eulen unerreichbar und viele Vögel verhungern. Bei uns, wie auch im Breunsberger Trafoturm, konnten 2010 keine Schleiereulen nachgewiesen werden. Lediglich einen Turmfalken und 2 Eier wurden im Hösbacher Kirchturm entdeckt. An unserer alten Kirche hoffen wir, nach einer kleinen baulichen Massnahme, dass sich wieder ein Schleiereulenpärchen einfindet. Die nächsten Kontrollen werden es zeigen.
Schwalben
53 sichere Mehlschwalbenbruten sind das Ergebnis der Zählungen unserer Schwalbengruppe für 2010. Dieses Ergebnis hat die Zahl von 2009 noch gesteigert. Auch 2 Rauchschwalbenbruten wurden aus der Stallung der Fam. Kiesel gemeldet. Seit grauen Vorzeiten brüten die Schwalben schon in Menschennähe. Einst flogen sie durch die Rauchluken im Dach in die Bauernhäuser und erhielten daher ihren Namen „Rauchschwalben“. Heute sind sie als Fliegenfänger mit grossem Energiebedarf für zwei bis drei Bruten und jeweils fünf bis sieben Jungschwalben in den Ställen hochwillkommen. Die nahverwandte Mehlschwalbe mit dem weissen Bürzel heftet ihre Lehmnester häufig unter Dachvorsprünge. Gegen den Dreck werden oft Schmutzbretter unter den Nestern angebracht. Wer will schon auf das Glück verzichten, für das die Schwalben bekannt sind.
Noch bevor die Schwalben kommen werden wir die Schmutzbretter reinigen und einige neue anbringen.
Fledermäuse
Grosser Abendsegler, Kleiner Abendsegler, Bechsteinfledermaus und graues Mausohr. Das sind die Fledermausarten, die in unseren Fledermauskästen in Glattbach bei Kontrollen gesehen wurden. Die kleine Zwergfledermaus, etwa daumengross, sieht man im Sommer oft im Dorf um Strassenlampen herumjagen. Sie findet auch meist im Ort Unterschlupf. Bei einer Kontrolle im Februar wurden in einem grossen Überwinterungskasten an unserer Hütte ca. 50 grosse Abendsegler entdeckt. Die kälteempfindlicheren Arten suchen sich als Winterquartier feuchte, frostfreie Stollen, tiefe Felsspalten oder Gebäude. In Glattbacher Sommerquartieren zählten Thomas Bormann und Erich Sauer 10 Grosse Abendsegler, 6 Kleine Abendsegler, 12 Graue Mausohr und 4 Bechsteinfledermäuse.
In Goldbacher Kästen fanden sie 3 Grosse Abendsegler, 4 Kleine Abendsegler, 4 Graue Mausohr, 4 Bechstein- und 1 Zwergfledermaus. Der Überwinterungskasten in Goldbach musste repariert werden. 20 bis 25 Grosse Abendsegler überraschten das Fledermausteam. Trotz den kleinen Öffnungsspalten an den Fledermauskästen benutzen auch mehrere Blaumeisen, Siebenschläfer, Kleiber und Hornissen diese Unterkünfte.
Im vergangenen Jahr begleiteten unsere zwei Experten fachlich beratend den Umbau einiger Gebäude eines ehemaligen Kraftwerks in Winterquartiere für Fledermäuse. Wir hoffen, dass dieser Umbau angenommen wird. Ausserdem wurden verschiedene Fledermauskästen in Glattbach, der Fasanerie und am Waldrand an der Kippenburg aufgehängt.
Seltene Vogelarten in Glattbach
Ein
Sommer- sowie ein Wintergoldhähnchen wurde im Erlengrund bzw. Kreuzweg Welzbacherweg im Juni 2010 gehört. Im Dezember 2010 sah und fotografierte man (bzw. frau) im Weidegang einen
Kernbeisser mit seinem kräftigen Schnabel. Ebenfalls aus dem Weidegang, im Januar 2011, ist der Schnappschuss eines überraschten
Sperbers. Im Mai 2010 hörten wir während einer Vogelstimmenwanderung in Glattbach eine Heckenbraunelle, Gesang ähnelt dem Girlitz mit seiner Glasschneidestimme, kommt ausserhalb der Ortschaft vor, am Waldrand, heckenreiche Landschaften.
Klappergrasmücke
Wie der Name schon sagt, erkennt man diesen Vogel am klappernden Gesang auf gleicher Tonhöhe.
Kuckuck
Nicht häufig, jedoch jedes Jahr bei uns zu hören.
Singdrossel
Auf einem Fledermausbrett an unserer Vogelschutzhütte hatte im Mai 2010 eine Singdrossel ihr Nest gebaut. Das ist Vogelbeobachtung aus nächster Nähe. Typisch, sie wiederholt ihre Töne immer 3-4 mal.
Schwanzmeisen Februar 2011
Die Schwanzmeisen kann man bei uns in den Wintermonaten öfters beobachten, wenn sie in kleinen Trupps unsere Futterplätze aufsuchen. Sie erkennt man sofort an ihrem langen Schwanz. Das Gefieder ist braun, weiss und schwarz. Dort wo sie brüten, kann man ihre kunstvollen ovalen Nester bestaunen.
Erlenzeisig
Dieser kleine, gelbliche Fink fällt uns besonders im Winter auf, wo er in geselliger Runde, mit ständigen Diäh oder Dä-i Rufen und tänzelndem Flug an Futterplätzen Aufmerksamkeit erregt. Nach Meisenmanier hängt er gerne, an den dünnen Zweigen der Erle und Birke, um die Samen aus den kleinen Zapfen hervorzuholen. Auffällig ist sein schwarzgelbes Flügel- und Schwanzmuster. Das Männchen hat eine gelbe Brust und einen schwarzen Scheitel. Seinen Farben nach ist er leicht mit dem Girlitz zu verwechseln.
Bergfinken
gesehen im Februar 2011, sind bei uns Wintergäste, die in der Taigazone ihren Brutlebensraum haben. Leicht verwechselbar mit dem Buchfink. In reichlichen Bucheckern-Jahren fallen sie wie Heuschrecken in Buchenwäldern ein. Auffällig ist die orangefarbene Brust-, Schulter-Färbung (die bei den Weibchen schwächer ausfällt) und der weisse Bürzel. Das Männchen ist schwarzblau am Kopf und Mantel. Der durchdringende Alarmruf slitt-slitt erinnert an eine Kreissäge.
Rotmilan
Der grösste, bei uns vorkommende Greifvogel, mit einer Spannweite zwischen 155-180 cm, wurde im Februar, im Bereich Enzlinger Berg, gesehen. Das eindeutige Erkennungszeichen ist sein tief gegabelter Schwanz.
Gimpel
Winterquartier in einer Hecke in der Jahnstrasse. Auch als Dompfaff bekannt. Die Männchen fallen mit ihrer kräftig roten Unterseite deutlich auf. Sein Ruf ist häufig ein sanftes „djü“.
Kraniche
Am 27. Februar wurden hunderte Kraniche in mehreren Keilformationen über Glattbacher und Goldbacher Gebiet gesehen. Sie sind jetzt wieder auf dem Rückflug in die Taigazone. Ihr trompetendes „kruh“ ist weit zu hören.
Diese Vogelbeobachtungen wurden von Frau Held, Bernd Aulbach und Barbara Koch gemeldet.
Barbara Koch